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Stuttgarts süße Vergangenheit

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Eine Werbetafel, die Lust auf den süßen Kakaogenuss machen soll: Hinter dem Firmennamen Eszet verbergen sich die beiden Schokoladenexperten Staengel und Ziller.

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Die Eszet-Schnitte, Waldbaur-Katzenzungen und Ritter's Spor­tschokolade: Im 19. Jahrhundert galt Stuttgart als Schokoladen-Metropole. Wir blicken zurück auf die Anfänge und das jähe Ende dieses Kapitels in der Stuttgarter Stadtgeschichte!

Von Christine Pander und Anja Treiber

Daimler, Porsche, Bosch: Für diese Unternehmen ist Stuttgart heute bekannt. Im 19. Jahrhundert galt die Stadt auch als Schokoladen-Metropole. Eszet-Schnitten und Waldbaur-Katzenzungen sind nur zwei Beispiele für süße Erfindungen aus Stuttgart. Auch Ritter Sport und die Edelschokolade Moser-Roth, die heute wieder in den Aldi-Regalen liegt, hatten ihre Anfänge im Neckartal.

Heute ist diese Vergangenheit kaum mehr präsent. Nur die Haltestelle Eszet an der Linie U13 und der Schriftzug des Katzenzungen-Produzenten Waldbaur an einem Gebäude in der Rotebühlstraße sind Zeugen dieses Kapitels Stuttgarter Stadtgeschichte.

Beide Marken gehören längst zur Kölner Stollwerck AG und werden nicht mehr in der Stadt produziert. Zu Ende ging die Schokoladen-Ära in Stuttgart vor allem durch das Aufkommen der Supermärkte. Schokolade wurde zum billigeren Massenprodukt, steigende Kakaopreise erhöhten den Druck auf die Schokoladenpro­duzenten zusätzlich.

Eszet: Stuttgarter Schoko-Schnitten statt Nutella

Lange bevor sich Schulkinder Nutella aufs Brot geschmiert haben, gab es die Eszet-Schnitten. Erfunden wurde der süße Brotbelag 1933 von den Konditoren Ernst Staengel und Karl Ziller. Schreibt man ihre Initialen aus, ergibt sich der Markennamen Eszet. Beide haben am 7. Mai 1857 im Stuttgarter Süden den Grundstein gelegt, zogen 1899 aber weiter nach Untertürkheim.

Auch heute noch liegen die Schoko-Schnitten in den Supermarktregalen, auch wenn sie seit den 1970er Jahren nicht mehr in Stuttgart produziert werden. Allein die Haltestelle Eszet der Linie U13 erinnert noch an sie. Seit 1975 gehört Eszet zu Stollwerck. Der Kölner Konzern hat die Produktion in Stuttgart stillgelegt.

Moser-Roth: Von Stuttgart aus ins Aldi-Regal

Die ersten und größten schwäbischen Chocolatiers aber waren Eduard Moser und Wilhelm Roth, die ihre Anfänge jeweils als selbständige Zuckerbäcker hatten: in Paris machten sie sich mit der Kunst der Trüffel-und Pralinenherstellung vertraut – und setzten, wieder in Stuttgart, voll auf ihre Schokoladenfa­brikation. Eduard Otto Moser gründete seine Manufaktur Anfang der 1840er Jahre in der Tübinger Straße, Ende des 19. Jahrhunderts fusionierte er mit seinem Konkurrenten Wilhelm Roth.

1942 wurde die Firma Moser-Roth jedoch von der Reichsregierung aus politischen Gründen geschlossen und nur ein Jahr später brannte die Fabrik nach einem Luftangriff auf Stuttgart vollständig nieder. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg erwarb die Firma Haller aus Obertürkheim Moser-Roth. Die Marke wurde mehrmals auf- und weiterverkauft, zuletzt an Storck. Zunächst verschwand die Moser-Roth-Schokolade ganz in der Versenkung, bis Storck sich wieder an den geschichtsrächtigen Namen erinnerte und unter dieser Marke Mitte 2007 Edel-Schokolade für den Discounter Aldi produzierte. Dort liegen die bunten Schokoladentafeln bis heute in den Regalen.

Waldbaur: Mit Katzenzungen berühmt geworden

Wenige Jahre nach Moser traten die Chocolatiers Franz und Gustav Waldbaur auf den Plan: 1848 gründeten sie ihre Manufaktur im Stuttgarter Westen. Ihre Produkte wurden in ganz Europa vertrieben, selbst in Amerika gab es Kunden. Niederlassungen hatten sie in London und Moskau. Bis heute bekannt sind die Waldbaur-Katzenzungen.

Waldbaur in der Rotebühlstraße hat den Fusionsgelüsten am längsten standgehalten. Erst 1976 kaufte die Kölner Schokoladen-Fabrik Stollwerck die Markenrechte. Bereits ein Jahr später stellten auch sie die Produktion in Stuttgart ein.

Schoko Buck: Die Toblerone aus Stuttgart

Im Osten entstand 1923/24 die Firma Schoko Buck, die wenige Jahrzehnte später allerdings bereits von Tobler, dem Schweizer Traditionsunter­nehmen, gekauft wurde.

Die Stuttgarter Niederlassung wurde 1985 als letzte Schokoladenfirma in der Stadt geschlossen. Im März 1985 lief die letzte Toblerone vom Band. Mit dieser Stilllegung gehört Stuttgarts Ruf als Schokoladen-Metropole entgültig der Vergangenheit an.

Mit Clara Ritters Sport-Schokolade zum Erfolg

Auch die Firma Ritter, die heute in Waldenbuch produziert, hatte ihre Anfänge in Stuttgart, genauer gesagt in Bad Cannstatt. 1912 gründete der Konditormeister Alfred Ritter dort seine Schokoladen-Fabrik. Er nannte die Marke „Al-Rika“, die schlichte Abkürzung für Alfred Ritter Kakao. 1920 zog Ritter in die Wilhelmsstraße – und 1930 dann aus Platzgründen nach Waldenbuch.

Dort ist Clara Ritter zwei Jahre später auf die Idee von einer Schokolade im Quadrat gekommen. Im Fußballstadion hatte sie beobachtet, dass viele Fußballfans zwischendurch eine Schokoladenpackung aus ihrer Jackentasche zogen. Weil die Tafeln eigentlich zu groß für die Tasche waren, war die Schokolade häufig gebrochen. „Machen wir doch eine Schokolade, die in jede Sportjackentasche passt, ohne dass sie bricht“, schlägt Clara Ritter vor. Gesagt, getan: Die quadratische Schokolade bekommt den Namen „Ritter's Spor­tschokolade“, seit 1970 heißt sie kurz und prägnant „Ritter Sport“. Bis heute. Ritter ist das einzige Unternehmen, das von einer Vielzahl an Stuttgarter Schokoladenma­nufakturen als solches bis heute überlebt hat.


Kommentare

von Eberhard Kenner, am 25.11.2008 11:42 Uhr

Der Artikel "schmeckt" wie süße Schokolade, kann ich da nur sagen - prima! So was hat gefehlt. Im gleichen Atemzug fällt mir der Stuttgarter Klavierbau ein, ebenso eine fast vergessene (Industrie-)Geschichte ... Ein schöner Gruß von Eberhard Kenner.



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